Seit inzwischen drei Wochen darf ich mich am Bau des
Berufsausbildungs-Gebäudes beteiligen und dort selbst eine Gruppe leiten. Es
ist zwar manchmal schwierig, den Überblick zu behalten, und die Hitze macht die
Sache auch nicht gerade einfacher, aber die Arbeit mit den Jugendlichen macht
mir wirklich Spaß – und ihnen auch.
In den letzten beiden Wochen haben wir begonnen, das Gebäude
innen und außen mit Gips zu verputzen. Die ersten Räume sind jetzt fertig, und
der nächste Schritt sind die Elektro-Installationen – mein Fachgebiet.
In einer ganztägigen Aktion letzten Dienstag habe ich gemeinsam
mit Sajal alle benötigten Schaltkästen, Leitungen, Schalter und Kabelkanäle
(nicht zu vergessen die lebenswichtigen Ventilatoren!) in Kolkata eingekauft.
Um 13:00, noch vor dem Mittagessen, sind wir mit der Metro zum Chadni Chawk,
dem zentralen Basar für Elektrozubehör, aufgebrochen.
Zwei Stunden später endlich am Ziel, kämpfen wir uns durch
Massen von Kunden zum Schalter vor und treffen auf einen engagierten
Servicemitarbeiter, der beim Anblick unserer Einkaufsliste erst einmal die
Flucht ergreift. Nachdem wir ihn dann doch überreden konnten, uns zu helfen,
haben wir in den folgenden zwei Stunden die ganze Liste abgearbeitet und rund einhundert
Kilogramm Bauteile eingekauft. An eine Rückfahrt mit der U-Bahn, oder mit einem
Taxi, war also nicht zu denken.
Da bleibt uns wohl nur die Möglichkeit einen Lieferwagen zu
mieten. Nahtlos folgt die Ernüchterung: Lieferwagen dürfen im Stadtgebiet von
Kalkutta aus undurchsichtigen Gründen erst nach 20:00 fahren. Nachdem Sajal und
ich kurz Kriegsrat halten und keine weiteren Optionen finden, als die
geforderten drei Stunden zu warten, lassen wir die eingekauften Güter vorerst
im Geschäft und begeben uns auf die Suche nach einem Caféhaus.
Sajal hat mir dann während der Live-Übertragung eines Spiels
aus der Regionalliga die Grundregeln von Cricket erklärt – nach sieben Monaten
im Land hab‘ ich das Spiel jetzt auch einigermaßen verstanden. Ich freue mich
schon, wenn ich mal das Stadion besuchen kann.
Pünktlich um 20:00 haben wir dann einen Lieferwagen
engagiert, unsere Einkäufe aufgeladen und uns dann in der dreirädrigen Kiste
mit rustikalem Flair auf den Heimweg gemacht. Inzwischen war es dunkel
geworden, damit war auch die ärgste Hitze verschwunden und hinten auf der
Ladefläche ließ es sich ganz gut aushalten. Das ist mein Lieblingsteil an allen
größeren Einkaufstouren, die wir machen – Rückfahrt auf dem Lieferwagen.
Diesmal, als Bonus, im Nachtverkehr.
Zuverlässig und nett mag der Lieferwagen ja sein, aber eines
ist er nicht – schnell. Und so ist es beinahe elf Uhr nachts, als wir endlich
in der Schule ankommen. Wir haben dann die Güter schnell abgeladen und in einem
versperrten Raum untergebracht und Fahrer bezahlt, bevor wir völlig erschöpft
ins Bett gekippt sind.
Am Montag haben wir mit den E-Installationen begonnen. Das wird auch
höchste Eisenbahn, denn in einer Woche beginnt der Unterricht im Berufsausbildungszentrum.
Ich freue mich schon!





