Mittwoch, 25. April 2012

Es wird, es wird!


Seit inzwischen drei Wochen darf ich mich am Bau des Berufsausbildungs-Gebäudes beteiligen und dort selbst eine Gruppe leiten. Es ist zwar manchmal schwierig, den Überblick zu behalten, und die Hitze macht die Sache auch nicht gerade einfacher, aber die Arbeit mit den Jugendlichen macht mir wirklich Spaß – und ihnen auch.





In den letzten beiden Wochen haben wir begonnen, das Gebäude innen und außen mit Gips zu verputzen. Die ersten Räume sind jetzt fertig, und der nächste Schritt sind die Elektro-Installationen – mein Fachgebiet.

In einer ganztägigen Aktion letzten Dienstag habe ich gemeinsam mit Sajal alle benötigten Schaltkästen, Leitungen, Schalter und Kabelkanäle (nicht zu vergessen die lebenswichtigen Ventilatoren!) in Kolkata eingekauft. Um 13:00, noch vor dem Mittagessen, sind wir mit der Metro zum Chadni Chawk, dem zentralen Basar für Elektrozubehör, aufgebrochen.

Zwei Stunden später endlich am Ziel, kämpfen wir uns durch Massen von Kunden zum Schalter vor und treffen auf einen engagierten Servicemitarbeiter, der beim Anblick unserer Einkaufsliste erst einmal die Flucht ergreift. Nachdem wir ihn dann doch überreden konnten, uns zu helfen, haben wir in den folgenden zwei Stunden die ganze Liste abgearbeitet und rund einhundert Kilogramm Bauteile eingekauft. An eine Rückfahrt mit der U-Bahn, oder mit einem Taxi, war also nicht zu denken.

Da bleibt uns wohl nur die Möglichkeit einen Lieferwagen zu mieten. Nahtlos folgt die Ernüchterung: Lieferwagen dürfen im Stadtgebiet von Kalkutta aus undurchsichtigen Gründen erst nach 20:00 fahren. Nachdem Sajal und ich kurz Kriegsrat halten und keine weiteren Optionen finden, als die geforderten drei Stunden zu warten, lassen wir die eingekauften Güter vorerst im Geschäft und begeben uns auf die Suche nach einem Caféhaus.

Sajal hat mir dann während der Live-Übertragung eines Spiels aus der Regionalliga die Grundregeln von Cricket erklärt – nach sieben Monaten im Land hab‘ ich das Spiel jetzt auch einigermaßen verstanden. Ich freue mich schon, wenn ich mal das Stadion besuchen kann.

Pünktlich um 20:00 haben wir dann einen Lieferwagen engagiert, unsere Einkäufe aufgeladen und uns dann in der dreirädrigen Kiste mit rustikalem Flair auf den Heimweg gemacht. Inzwischen war es dunkel geworden, damit war auch die ärgste Hitze verschwunden und hinten auf der Ladefläche ließ es sich ganz gut aushalten. Das ist mein Lieblingsteil an allen größeren Einkaufstouren, die wir machen – Rückfahrt auf dem Lieferwagen. Diesmal, als Bonus, im Nachtverkehr.

Zuverlässig und nett mag der Lieferwagen ja sein, aber eines ist er nicht – schnell. Und so ist es beinahe elf Uhr nachts, als wir endlich in der Schule ankommen. Wir haben dann die Güter schnell abgeladen und in einem versperrten Raum untergebracht und Fahrer bezahlt, bevor wir völlig erschöpft ins Bett gekippt sind.

Am Montag haben wir mit den E-Installationen begonnen. Das wird auch höchste Eisenbahn, denn in einer Woche beginnt der Unterricht im Berufsausbildungszentrum. Ich freue mich schon!

Montag, 23. April 2012

Heute war ein guter Tag!

Oh ja, es gibt schlechte und es gibt bessere Tage. Heute war definitiv einer der Besseren.

Wir haben die ganzen Food Industries vom Spicer College gesehen und viel über deren Prozess gelernt.

Im Anschluss hatten wir einen zweiten Termin beim anderen Hersteller von Tofu und Sojamilch, den wir bereits gestern kennen gelernt haben. Er hat uns noch gestern Abend angerufen um zu sagen, dass er von unserem Konzept und den karitativen Aktivitäten so begeistert sei, dass er uns seine frühere Anlage zu einem Bruchteil der Neuanlage verkaufen möchte. Also waren wir heute Nachmittag wieder dort um alles im laufenden Betrieb zu sehen.

Und tatsächlich. Das Equipment ist sehr gut erhalten und voll funktionstüchtig. Ersatzteile und mögliche weitere Erweiterungen der Anlage können wir vom Originalhersteller bekommen, den wir am Donnerstag in Delhi kennen gelernt haben. Langsam fügt sich ein sinnvolles und leistbares Bild zusammen. Zusätzlich haben wir noch eine Menge praktischer Ratschläge und Informationen bekommen. Einfach unglaublich.




Ich glaube wir haben unser "neues" Equipment - nachdem wir so lange gesucht haben - gefunden. Jetzt müssen wir nur noch das ok unserer Committees bekommen und schon bald kann's los gehen mit einem viel besseren und effizienteren Produktionsverfahren losgehen, das unsere Produkte standartisiert und ihre Haltbarkeit enorm verbessert!



Das musste gefeiert werden.. mit einem Abendessen beim McDonalds in dieser Shopping Mall und einem Kaffee im Barista Lavazza :-)

Es war eine anstrengende Reise, die sich aber voll gelohnt hat! Schon morgen werden wir diese Stadt verlassen, in der wir so viele interessante Menschen kennen gelernt haben. Für Dan gehts nach Ranchi, für mich zurück nach Kolkata...

Pune - die Erste Stadt in Indien

Ich bin derzeit mit Dan in Pune, einer 5 Mio. Einwohner-Stadt die etwa 2,5 Std. von Mumbai entfernt ist.

Wir sind hier im Spicer Memorial College untergebracht, das neben akademischen Studien angeblich auch Berufsausbildungszweige und Food Industries betreibt. Wir sind hier, um uns das alles anzusehen, Informationen, ev. Equipment für unsere Produktionsanlage zu bekommen und vielleicht finde ich hier die Lehrer, die ich noch für Kolkata brauche. Für heute haben wir um 11.00 Uhr einen Termin mit dem Vize-Direktor, der uns alles erklären und zeigen will.

Bereits gestern haben wir hier einen lokalen Produzenten von Tofu, Sojamilch, Sojalassi und anderen Soja-Bohnenprodukten getroffen. Es war sehr spannend und wir haben viel gelern. Er hat auch eine komplette Linie gebrauchtes Equipment und heute Nachmittag will er uns das nochmal im laufenden Betrieb zeigen. Vielleicht können wir die notwendigen Bestandteile von ihm günstig bekommen.

Eines hat uns aber total überrascht:
Diese Stadt ist unglaublich. Sie ist in vielem so anders von allen anderen indischen Städten, die ich bisher gesehen habe. Die Straßen sind (vergleichsweise) sauber, der Verkehr tatsächlich geregelt, die Menschen sind gut gebildet und haben offensichtlich auch gutes Einkommen. Überall gibt es Markengeschäfte, Einkaufspassagen, tolle Restaurants, Cafes und Bars. Die Stadt ist sehr jung und die Menschen sind westlich gekleidet.
WOW! Diese Stadt gefällt uns wirklich gut!

Wir haben hier auch einen Headhunter kennen gelernt, der eng mit einem deutschen Personalberatungsunternehmen zusammen arbeitet um europäische Unternehmen auf ihrem Sprung nach Indien begleitet. Eine absolut faszinierende Persönlichkeit die täglich zwischen den beiden Kulturen lebt. Gestern hat er uns zum Abendessen eingeladen und es war ein wirlich spannender Abend. Ein Top Mann! Noch bevor wir ihn persönlich getroffen haben, hat er schon im Internet unsere Vergangenheit studiert, meine Blog gelesen usw. Wir haben viel über unsere Erfahrungen hier in Indien und die unterschiedliche Arbeitsweise in Europa und Indien gesprochen. Das war für uns sehr spannend und auch sehr hilfreich. Es war toll mit einer indischen Person darüber so offen sprechen zu können und auch seine Sichtweise darüber zu hören.
Es ist toll auch so herzliche und zugleich professionelle Menschen hier kennen zu lernen.
Wer diese Art von Dienstleistungen benötigt... ich kann diesen Kontakt gerne weitergeben und vor allem absolut empfehlen!

Und nochmal zum Abschluss:
WIR LIEBEN DIESE STADT!!! :-)

Sonntag, 22. April 2012

"Mittagessen bei mir" - Mit Claudia Stöckl und Kirstin Inmann von ZUKI

11.04.2012

Ja, manchmal ist die Welt (vor allem die Österreichische) wirklich klein.

Als ich etwas mehr über den Verein ZUKI (www.zuki-zukunftfuerkinder.at) von Claudia Stöckl nachgeforscht habe, fand ich heraus, dass sich ihr Hauptprojekt ebenfalls in Kolkata befindet. Und es stellte sich heraus, nur etwa 1 Autostunde von uns entfernt. Das war sehr interessant und ich kontaktierte den Verein, um mir das Projekt anschauen zu können. Und die Zeit konnte nicht besser sein, da Claudia Stöckl mit ihrem Team am 8.4. ihr Projekt besuchte und uns gleich einlud sich alles mit ihr anzusehen.

Am 8.4. waren wir (Michael, unsere Direktorin und ich) also bei den "Missionaries of the Word" um uns das Projekt anzusehen. Die Schule mit Wohnheim liegt direkt im Stadtgebiet und Pater Xavier (der schon mit Mutter Theresa gearbeitet hat) betreut dort heute 250 Straßenkinder deren Mütter meist im Rotlichtviertel Kolkatas leben. Es war ein sehr freundlicher Empfang und es ist ein tolles Projekt. Der Verein mach großartige Arbeit und wir hatten einen schönen gegenseitigen Austausch.

Natürlich haben wir zu einem Gegenbesuch eingeladen und tatsächlich, am 11.4. kam Claudia mit ihrer Kollegin Kirstin, um sich unser Projekt anzusehen.




Nach einer Führung auf unserem Gelände gabs dann noch "Mittagessen bei mir". Ich habe natürlich unseren selbstgemachten Tofu verarbeitet und den Gästen hat's offensichtlich sehr geschmeckt :-).



Wir haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt und konnten uns über Dinge ausgetauschen mit denen wir kämpfen, Dinge die funktionieren oder auch leider nicht funktionieren. Es war ein toller Tag und wir bleiben auch weiterhin in Kontakt. Ich wünsche Claudia und ihrem Team weiterhin viel Erfolg!

Samstag, 21. April 2012

Indien - Kolkata Werkstätten

12.4.2012
Jetzt wird es langsam eng.... Bis Ende April wollen wir die Werkstätten fertig machen um im Mai mit der Berufsausbildung zu beginnen. Jetzt laufen die Arbeiten also auf hochtouren und alle älteren Burschen helfen mit.




Die Rolltore werden geschweißt, eingebaut und gestrichen und die Wände weiß verputzt.
Michael hat bereits alles Material für die Elektroinstallationen besorgt und nächste Woche wird es montiert.





Für 2 der Berufsrichtungen konnten wir leider noch keine geeigneten Lehrer finden, aber ich habe noch ein paar Ideen an denen ich grade arbeite. Sobald sich da etwas getan hat werde ich wieder berichten.

Dienstag, 10. April 2012

Haiti - Inventur im Krankenhaus

06 Apr 2012, Nadine: Es wird wiedermal Zeit, dass ich mich melde. Es wird zunehmend heißer und schwüler, sprich anstrengender zu arbeiten. Ich musste heut ein paar Mal zwischen Häusern und Krankenhaus (100m) hin und her gehen und war danach bereit für die Dusche. Kurioserweise bekommen wir jetzt sogar Warmwasser in den Häusern…

Wie auch immer, ein nächstes großes Projekt hat diese Woche begonnen: Inventur. Ich hab sowas ja noch nie gemacht und die Leute, die sowas schon mal mitgemacht haben wissen wovon ich rede. Allerdings ist hier alles etwas chaotischer. Man stelle sich einen großen Raum vor, voll mit Regalen, die ebenfalls voll mit Kartons und Schachteln und Plastikhüllen sind. Alles ohne Ordnung, kreuz und quer. Um Inventur zu machen, muss erstmal alles sortiert werden, was sicher Wochen in Anspruch nehmen wird. Zum Glück sind Sirko und ich nur sekundär betroffen. Ich hab an 2 Tagen nach unserer Arbeit mit den Patienten ein bisschen geholfen, zu sortieren und umzuräumen. Was teilweise auch ziemlich schwierig ist, da es überhaupt keinen Platz für Zwischenlagerung gibt. Die Kisten stapeln sich mittlerweile am Krankenhaus Gang. Sirko hat sich das einmal angeschaut und ist prompt wieder gegangen….

Was auch sehr nett ist, wenn ausländische Krankenhäuser ausmisten und uns dann Container und Kisten voller Zeug schicken, das entweder abgelaufen ist oder wir hier nicht verwenden können, weil wir die dazugehörigen Geräte nicht haben. Ich kenn mich mit dem ganzen Zubehör für OP’s und Anästhesie usw in Deutsch schon nicht aus und in Englisch ist das ganze dann doppelt zu schwierig. Wieso braucht man 20 verschiedene Größen von Schläuchen, bzw dann auch 30 verschiedene Arten von Schläuchen, aber gut… Marc (die Krankenschwester mit der ich zusammenwohne) die das ganze koordiniert, schüttelt immer wieder den Kopf. Manche Sachen die wir dringend brauchen, bekommen wir nie, dafür alles andere doppelt. So in die Richtung, “Ach die können eh alles brauchen”….

Ja wenn dieser Raum durchsortiert ist, dann kommen einige Leute und zählen das ganze Zeug. Dann kommt das große Depot dran, wo einfach alles kreuz und quer drin steht. Für manche hat das anscheinend ne Ordnung, für mich nicht. Wir haben jetzt schon ein paar Mal bemerkt, dass es da doch Unterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen/Österreicher gibt. Wir sind da doch manchmal etwas strukturierter bzw organisierter.

Ein weiterer Unterschied der uns gestern bewusst geworden ist, ist die Gestaltung der “Freizeit”. Ostern ist natürlich ein großes Fest hier in Haiti, das ja hauptsächlich katholisch ist. Und heute ist der “Good Friday”, da hat ungefähr alles geschlossen. Samstag sperren die Geschäfte für den Vormittag wieder kurz auf und Sonntag ist wieder alles zu. Für Sirko und mich ist das völlig normal, kennen wir auch nicht wirklich anders. Die Amis sind total überrascht, verblüfft, dass alle Geschäfte einfach zusperren. Feiertage werden in den USA wohl nicht wirklich gefeiert, bzw die großen Stores haben fast nie geschlossen. Auf jedenfall haben Sirko und ich uns schon auf Freitag gefreut, ja cool keine Patienten, wir haben ein längeres Wochenende. ja denkste… Für die Amis bedeutet das, juchu eine freier Tag, ich kann mehr arbeiten. Ich ahb dann mit Brian geredet und er meinte auch, so wirklich Feiertage gibt es in den USA nicht (zumindest nicht so viele) und ein Tag während der Woche nichts tun oder nen Ausflug machen, auf die Idee kommt keiner. Auf jedenfall sind die meisten jetzt mit Inventur oder Arbeit im Büro beschäftigt und Sirko und ich verstecken uns wir schließen uns den Haitianern an und haben ein längeres Wochenende. Man muss sich ja schließlich der Kultur anpassen ;)

Sonntag, 25. März 2012

...und täglich grüßt das Internet


In den letzten Wochen hält mich vor allem unsere Internetverbindung konstant auf Trab. Hauptsächlich dadurch, dass sie ohne ersichtlichen Grund nicht funktioniert. Also, es geht immer wieder mal, für etwa 30 Sekunden. Für jede ernsthafte Verwendung ist das... nun ja, entschieden zu wenig.

Die Wartungstechniker des Internet-Providers BSNL enttäuschen mich da etwas. Seit mehreren Wochen versucht jetzt ein Team mit wechselnder Besetzung, die Verbindung dauerhaft in Gang zu bekommen, aber ihre Versuche blieben bisher erfolglos. Hauptsächlich liegt das vermutlich daran, dass die Jungs auf ihrem Flowchart nur zwei mögliche Lösungsansätze haben, und zwar
  • ·         Router ab- und wieder einschalten

    und
  • ·         WLAN-Passwort ändern.
Leider hat keiner der beiden Ansätze in irgendeiner Weise etwas mit dem eigentlichen Problem, nämlich einem defekten Überlandkabel, zu tun. Der Hinweis, BSNLs eigene Hardware wäre defekt, wird von Firma und Mitarbeitern allerdings als völlig unmögliche und überdies ketzerische These hingestellt. Somit starten wir eben den Router neu… und wieder… und wieder…

Die nächsten Baustellen, die ich in Angriff nehmen werde, sind die Modernisierung des Computerraums und die Erstellung eines Elektro-Installationsplans für die neuen Lehrwerkstätten.